Wanderer der Nacht – eine Buchempfehlung

Dieses Buch habe ich entdeckt und verschlungen. Es hat mir sehr geholfen, die Zeit von 1962 (Unabhängigkeit Ugandas) bis heute zu verstehen.

Wo Erwachsene Angst vor Kindern haben. … Diese literarische Reportage des polnischen Journalisten Wojchiech Jagielski ist sicherlich das beste Werk, das man über Gulu, Kony und die jüngere Geschichte Ugandas lesen kann. Er beschreibt, warum der Norden seit 30 Jahren nicht zur Ruhe kommt, obwohl das restliche Uganda nach den Schreckensherrschaften von Milton Obote und Idi Amin durch Yoweri Museveni befriedet wurde und heute sicher zu den besseren Gegenden Afrikas gehört. Und er erklärt, warum ein offensichtlicher Psychopath wie Kony über Jahre hinweg solch eine Terrorherrschaft ausüben kann. … Wojchiech Jagielski beschreibt sehr eindringlich, wie sehr die Menschen unter Kony leiden und in welchem Dilemma die Gesellschaft steckt. … Zwar schildert Jagielski viele Grausamkeiten, trotzdem hat er ein ruhiges, zurückhaltendes Buch geschrieben. Der Pole ist ein Suchender, einer, der wirklich herausfinden will, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. Besonders eindringlich wird es an den Stellen, wo er über seinen Beruf nachdenkt, an ihm zweifelt, weil er weiß, dass er von den Einheimischen nicht allzu viel erfahren kann. In einer für einen Europäer fremden Welt, mit einem befremdlichen Geisterglauben tut er sich schwer, die Dinge richtig zu verstehen, und das legt er immer wieder offen. … Sein Buch schildert die Realität in Norduganda viel genauer als die meisten journalistischen Texte. … (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 26.7.2010. Von Michael Bitala)